Aufschieben kennt jeder. Im Ausland hat es aber oft einen anderen Grund. Sonja schreibt ehrlich darüber, warum Prokrastination nach der Auswanderung eine neue Dimension bekommt.
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Kennst du das? Du weißt seit Wochen, dass du dich um etwas kümmern musst. Die Aufenthaltsgenehmigung verlängern. Den Steuerberater anrufen. Den Stapel mit Dokumenten sortieren, der seit dem Einzug auf dem Schreibtisch wartet.



Und trotzdem passiert: nichts. Stattdessen wird plötzlich die Küchenschublade aufgeräumt, der Balkon gefegt, Kaffee gekocht. Zweimal.


Willkommen im Team Prokrastination. Ich war dort seit Jahren Mitglied, seitdem ich hier in Paraguay bin, nicht mehr so wirklich.

Was mich interessiert, und worüber ich hier reden möchte, ist nicht das Aufschieben an sich. Das kennt jeder, überall auf der Welt. Was mich interessiert, ist die besondere Qualität des Aufschiebens im Ausland. Denn hier kommt etwas dazu, das es zuhause so nicht gab.


In Deutschland hatte ich einen Steuerberater, dem ich vertraute. Ich kannte das System, wusste wo ich anrufen musste, verstand die Formulare. In Paraguay stehe ich oft vor Aufgaben, bei denen ich nicht mal genau weiß, wo ich anfangen soll. Spanisch, fremde Behörden, andere Abläufe, Dokumente, die ich noch nie gesehen habe. Das Aufschieben hat hier einen Grund, der über pure Faulheit hinausgeht: Es ist oft echte Überforderung.


Und Überforderung schiebt auf. Das ist menschlich.

Ich habe für mich ein paar Dinge herausgefunden, die wirklich helfen, gerade hier im Auslandsalltag.

Das Erste ist, die Aufgabe kleiner zu machen als sie sich anfühlt. Nicht "ich kümmere mich um die Aufenthaltsgenehmigung", sondern "ich schreibe heute eine Nachricht an den Anwalt". Nur das. Der Rest kommt danach.


Das Zweite ist, jemanden zu fragen, bevor die Panik kommt. Im Ausland neigen viele dazu, lange allein zu grübeln, weil sie nicht wissen, wen sie fragen können, oder weil sie sich schämen, etwas nicht zu verstehen. Dabei ist genau das Fragen das Schnellste, was man tun kann.


Das Dritte ist das Gefühl danach. Ich erinnere mich bewusst daran, wie es sich anfühlt, wenn etwas erledigt ist. Dieses leichte, fast körperliche Aufatmen. Gerade bei Dingen, die ich lange vor mir hergeschoben habe, ist dieses Gefühl unverhältnismäßig groß, verglichen mit dem Aufwand, den die Aufgabe am Ende hatte.


Prokrastination löst kein einziges Problem. Das wissen wir beide. Aber sie hat fast immer einen Grund, und der lohnt sich anzuschauen. Was genau macht diese Aufgabe so unangenehm? Ist es die Sprache? Die Ungewissheit? Die Angst, einen Fehler zu machen in einem System, das du noch nicht vollständig verstehst?


Wenn du das weißt, wird das Aufschieben ein bisschen weniger mächtig.

Und wenn du gerade vor einer konkreten Aufgabe sitzt, die du schon zu lange vor dir herschiebst, und einfach mal reden möchtest: https://booking.builderall.com/c/hallosonja/terminmitsonja


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