Wer im Ausland für alle da ist, vergisst sich selbst schnell. Sonja schreibt darüber, warum gerade Auswanderinnen Pausen so dringend brauchen und wie das aussehen kann.
Kennst du das? Du bist ausgewandert, hast deinen Weg gefunden, weißt wie die Dinge hier funktionieren. Und auf einmal bist du die Anlaufstelle. Für neue Expats, die gerade ankommen und nicht wissen, wo sie anfangen sollen. Für Nachbarn, die jemanden brauchen, der übersetzt. Für Bekannte aus Deutschland, die fragen, wie das alles so geht, mit dem Auswandern.Also für alle und jeden.

Das Geben fühlt sich am Anfang gut an. Es gibt dir das Gefühl, gebraucht zu werden, angekommen zu sein, einen Platz zu haben. Und das ist auch gut so. Aber wenn daraus ein Dauerzustand wird, passiert etwas, das viele Frauen, die ich kenne, erst im Nachhinein benennen können: Der eigene Akku ist leer. Und zwar richtig leer.
Im Ausland hat das eine besondere Qualität, weil die Erschöpfung selten so aussieht wie zuhause. Zuhause hättest du vielleicht einfach ein Wochenende für dich gebraucht, Sofa, Stille, vertraute Umgebung. Hier ist die Umgebung aber noch nicht vollständig vertraut. Die Stille kann sich fremd anfühlen. Und das "einfach mal abschalten" funktioniert nicht nach demselben Muster wie früher.
Was ich gelernt habe, in Paraguay und im Gespräch mit anderen Frauen, die ausgewandert sind: Kleine, regelmäßige Pausen sind keine Schwäche. Sie sind das, was den Alltag hier überhaupt erst tragfähig macht. Nicht der große Urlaub einmal im Jahr, sondern die halbe Stunde am Morgen, bevor die erste Nachricht reinkommt. Der Nachmittag, an dem du nichts erklärst, nichts organisierst, nichts gibst.
Und manchmal braucht es mehr. Eine echte Auszeit, ohne schlechtes Gewissen. Im Ausland fällt das vielen besonders schwer, weil man das Gefühl hat, noch nicht das Recht dazu verdient zu haben. Als müsste man sich die Pause erst erarbeiten, durch genug Ankommen, genug Funktionieren, genug Nützlichsein.
Das stimmt nicht.
Ich beobachte seit einigen Jahren, dass immer mehr Menschen von sogenannten Exerzitien sprechen, also bewussten Rückzugsphasen, in denen man sich aus dem Alltag ausklinkt, nicht um zu fliehen, sondern um wieder zu sich zu kommen. Das muss keine Klosterreise sein. Es kann ein paar Tage ohne Handy sein. Ein Aufenthalt irgendwo, wo niemand etwas von dir braucht. Gerade im Auslandsalltag, wo man oft mehr Rollen gleichzeitig trägt als erwartet, kann so eine Phase erstaunlich viel verschieben.
Und nein, du musst dafür nicht in die Ferne reisen. Manchmal reicht es, in der eigenen Wahlheimat einen Ort zu finden, den du noch nicht kennst. Paraguay hat genug davon.
Was du dir mitnehmen kannst: Schau, wo du gerade gibst. Nicht um damit aufzuhören, sondern um zu sehen, ob noch etwas für dich übrig bleibt. Wenn nicht, ist das kein Versagen. Es ist ein Signal.
Wenn du darüber reden möchtest, wie du im Auslandsalltag wieder mehr Raum für dich schaffst, buch dir gern einen Termin mit mir: https://booking.builderall.com/c/hallosonja/terminmitsonja
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