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Es war nicht das erste Mal, dass ich vor einer Behrde stand und nicht weiterkam. Aber es war vielleicht das erste Mal, dass ich wirklich verstanden habe, warum.


Ich hatte alle Dokumente dabei. Oder zumindest dachte ich das. Der freundliche Herr am Schalter schaute sie durch, nickte, und schickte mich zu einem anderen Schalter. Dort schaute eine freundliche Dame die Dokumente durch, nickte ebenfalls, und schickte mich zurck zum ersten Schalter. Der erste Herr war inzwischen in der Pause. Ich wartete. Als er zurckkam, erklrte er mir, dass ich eigentlich ein weiteres Dokument bruchte, das mir vorher niemand erwhnt hatte.



Tranquilo, sagten sie. Kein Stress.

Ich atmete tief durch.

Das ist Paraguay. Und wer das nicht wei, dreht durch. Wer es wei, bringt Wasser mit und plant den halben Tag ein.


Das Grundprinzip habe ich inzwischen verstanden, auch wenn es mich manchmal noch berrascht. Paraguayer sagen nicht Nein. Das ist keine Unehrlichkeit, das ist Kultur. Ein Nein wre unhflich, wrde das Gegenber in Verlegenheit bringen, wrde die Harmonie stren. Also wird Ja gesagt, oder vielleicht, oder maana, und dann passiert entweder etwas oder auch nicht.


Als Deutsche bin ich mit einer anderen Kommunikationslogik aufgewachsen. Wenn jemand Ja sagt, meint er Ja. Wenn etwas um 10 Uhr beginnt, beginnt es um 10 Uhr. Wenn ein Dokument ausreicht, reicht ein Dokument. Diese Annahmen habe ich mitgebracht, und Paraguay hat sie freundlich, aber konsequent zerlegt.


Was mir am meisten geholfen hat, war aufzuhren, das als Problem zu sehen. Die Administration hier ist eine Herausforderung, das stimmt. Aber sie ist nicht bswillig. Sie funktioniert nach anderen Regeln. Und wer diese Regeln kennt, kann sich darauf einstellen.


Konkret bedeutet das: Immer nachfragen, ob wirklich alle Dokumente vollstndig sind, und zwar mehrfach und bei verschiedenen Personen. Nie davon ausgehen, dass ein Ja ein verbindliches Ja ist. Immer einen Puffer einplanen, zeitlich und emotional. Und einen guten lokalen Kontakt haben, der wei, wie Dinge hier wirklich laufen, das ist mehr wert als jede offizielle Auskunft.


In der Expat-Community ist das brigens ein Dauerthema. Man tauscht Geschichten aus, manchmal mit Humor, manchmal mit echtem Frust. Die Frau, die drei Mal zur Behrde gefahren ist, weil jedes Mal ein anderes Dokument fehlte, das vorher nicht erwhnt wurde. Der Mann, der zwei Stunden auf einen Handwerker gewartet hat, der um 9 Uhr kommen wollte und um 14 Uhr auftauchte, vllig entspannt und ohne Erklrung.


Ich lache inzwischen fter darber als frher. Nicht weil es immer lustig ist, sondern weil ich gelernt habe, dass mein Stresslevel meine Entscheidung ist. Die Brokratie ndert sich nicht, weil ich ungeduldig bin.


Was ich heute wei: Missverstndnisse im Ausland entstehen selten aus bser Absicht. Sie entstehen aus unterschiedlichen Vorstellungen davon, wie Kommunikation funktioniert, was Verbindlichkeit bedeutet und wie viel Zeit fr etwas angemessen ist. Das zu verstehen, dauert. Aber es macht das Leben hier leichter.


Wenn du gerade mitten in dieser Lernkurve steckst und das Gefhl hast, du verstehst die Spielregeln noch nicht ganz, dann rede gerne mit mir. Ich kenne das.

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