Deutsche Mennoniten im paraguayischen Chaco: Was eine Gemeinschaft, die seit 100 Jahren ihre Wurzeln bewahrt, Auswanderern heute noch sagen kann.
Wenn man zum ersten Mal durch den Chaco fhrt, versteht man schnell, warum die frhen Siedler gezweifelt haben mssen. Die Ebene ist endlos, die Hitze gnadenlos, die Wildnis hat nichts Einladendes. Und trotzdem haben Menschen hier vor fast hundert Jahren angefangen, etwas aufzubauen.
Die Mennoniten kamen in den 1920er Jahren nach Paraguay. Sie verlieen Europa auf der Suche nach religiser Freiheit und landeten in einer Gegend, die damals kaum jemand haben wollte. Was sie dort vorfanden, war kein Versprechen. Es war eine Aufgabe.
Ich denke oft an diesen Moment, wenn ich an meine eigene Ankunft in Paraguay denke. Wir kamen mit drei Koffern und einer vagen Vorstellung davon, wie das neue Leben aussehen wrde. Die Mennoniten kamen mit ihrem Glauben, ihrer Sprache und dem festen Willen, beides zu behalten. Der Unterschied ist nicht klein.
Heute sind ihre Siedlungen, Philadelphia, Loma Plata und andere, moderne Gemeinden mit funktionierenden Strukturen, Schulen, Krankenhusern und einer Wirtschaft, die weit ber den Chaco hinaus wirkt. Die mennonitischen Kooperativen gehren zu den grten Milchproduzenten Sdamerikas. Ihr Kse und Joghurt sind in ganz Paraguay bekannt, hergestellt in Molkereien, die technologisch auf dem neuesten Stand sind. Flei, Zusammenhalt und Verantwortungsbewusstsein, das sind keine Schlagworte dort. Das ist Alltag.
Und gleichzeitig fahren manche von ihnen noch mit der Pferdekutsche. Nicht weil sie mssen, sondern weil sie es so wollen. Weil nicht jede Gemeinschaft denselben Weg geht, und weil das offenbar funktioniert. Was mich daran am meisten berhrt, ist nicht der wirtschaftliche Erfolg. Es ist die Frage, die diese Menschen mit ihrem Leben beantworten: Wie viel von dem, was du warst, nimmst du mit, wenn du alles hinter dir lsst?
Die Mennoniten haben Deutsch bzw. ihr Plattdeutsch behalten, ihren Glauben, ihre Feste, ihre Kche, ihre Art, Gemeinschaft zu leben. Sie haben sich nicht aufgelst in dem, was um sie herum war. Aber sie haben sich auch nicht verweigert. Sie nutzen Smartphones und Autos. Und sie exportieren in ganz Sdamerika. Sie haben einen Weg gefunden, beides zu sein.
Das ist keine selbstverstndliche Leistung. Und fr jemanden, der selbst gerade versucht, im Ausland eine neue Heimat zu bauen ohne die alte zu verlieren, ist es ein stilles, aber eindrucksvolles Vorbild.
Ich habe keine fertige Antwort darauf, wie viel man von sich mitnehmen soll und wie viel man loslassen muss. Aber ich glaube, dass diese Frage falsch gestellt ist. Die Mennoniten im Chaco zeigen, dass es nicht um ein Entweder-oder geht. Es geht darum, zu wissen, was einem wirklich wichtig ist. Und das dann konsequent zu leben, egal wo.
Wenn du gerade mitten in diesem Prozess steckst und nicht weit, wo die Grenze zwischen Anpassen und Verlieren liegt, dann rede gerne mit mir darber.
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