Sonja zog mit 50+ nach Paraguay und schildert ehrlich, wie sich die ersten Wochen anfühlten: Zweifel, Wärme, Chaos und das Gefühl, richtig zu liegen.
builderall

Rückblick auf die persönliche Reise eines Expats




Als mein Mann und ich beschlossen, Deutschland hinter uns zu lassen, hätte ich nie gedacht, dass wir in Paraguay landen würden. Und doch: Zwei Wochen nach unserem Einzug in unser neues Leben hier saß ich auf unserem Balkon, sah in den goldenen Sonnenuntergang über Asunción und dachte: Wie konnte das so schnell richtig werden? Wie, sich so schnell richtig anfühlen?


Der Gedanke, auszuwandern, kam nicht von heute auf morgen. Seit 2018, dem Jahr der Entscheidung, unserem Leben eine Wende zu geben, verbrachten wir unzählige Abende damit, Länder zu vergleichen, Vor- und Nachteile aufzulisten und uns vorzustellen, wie sich das Leben anderswo tatsächlih leben würde. Unser ursprünglicher Plan sah vor, den Umzug bis Ende 2022 oder 2023 umzusetzen. Aber dann änderte sich die Welt, alles schien nicht mehr zu passen, und eines Abends bei einer Tasse Tee sahen wir uns an und sagten: Warum warten?


Warum Paraguay? Das ist die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird. Und die ehrliche Antwort ist: Es war nicht unsere erste Wahl. Frankreich, Panama, Portugal standen auf der Liste. Aber je mehr wir recherchierten, desto mehr rückte Paraguay in den Vordergrund. 360 Sonnentage im Jahr, das hat für jemanden aus Deutschland, wo grauer Himmel zum Alltag gehört, eine ganz eigene Anziehungskraft. Dazu kamen die natürliche Schönheit des Landes, die günstigen Steuerbedingungen für Europäer, und was uns schließlich wirklich überzeugt hat: das vergleichsweise unkomplizierte Verfahren für eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung.


Die Vorbereitung war ein Wirbelwind. Ich stand in unserem Wohnzimmer, von Kisten umgeben, und fragte mich bei jedem einzelnen Gegenstand: Brauche ich das in Paraguay? Passt das noch in das Leben, das wir uns vorstellen? Wir haben wahrscheinlich zu viel mitgenommen. Aber ich dachte mir: Es ist einfacher, Dinge später herzugeben, als sie nachträglich aus Deutschland zu verschiffen oder mühevoll vor Ort hier zu suchen.


Mitte Oktober schickten wir unseren Container auf die Reise. Wir beobachteten nervös die weltweiten Versandprobleme und hofften, dass alles rechtzeitig ankommen würde. Parallel dazu: Postnachsendung einrichten, Versicherungen kündigen, Abmeldung beim Einwohnermeldeamt. All die kleinen Dinge, an die man erst denkt, wenn der Abflug tatsächlich näher rückt.


Am Tag des Abflugs war ich ein Nervenbündel. Noch eine Herausforderung bei der Wohnungsübergabe, und im Kopf die leise, beharrliche Frage: Haben wir die richtige Entscheidung getroffen?


Dann landeten wir in Asunción. Ich trat aus dem Flugzeug in die warme Luft. Ein Freund erwartete uns am Flughafen mit einem Willkommensbanner und einer langen Umarmung. Während wir durch den chaotischen Verkehr der Stadt fuhren, überkam mich etwas, das ich nur als stille Gewissheit beschreiben kann, gepaart mit einem bislang ungekannten Gefühl der Freiheit. Die Zweifel waren weg.


Die ersten zwei Wochen waren aufregend und gewöhnungsbedürftig zugleich. Weihnachten bei 40 Grad zu feiern ist eine Erfahrung, auf die man sich schlecht vorbereiten kann. Aber die Entspanntheit, die Menschen, das Licht hier, das alles hat mich von Anfang an aufgenommen.


Mit 52 Jahren habe ich meine gesamte Karriere hinter mir gelassen. Jahrelang habe ich für die Deutsche Post gearbeitet, und jetzt wage ich mich in die Selbstständigkeit: Online-Marketing, Sales-Support, Coaching. Das ist manchmal beängstigend. Und gleichzeitig wache ich morgens ohne Wecker auf und wähle selbst, woran ich arbeite. Ich arbeite nicht weniger als früher, nur anders.

Natürlich gibt es auch schwierige Tage. Spanisch ist eine tägliche Übung, kulturelle Unterschiede können überfordern, und beim Auspacken von Kisten kommt manchmal Heimweh. Aber dann erinnere ich mich daran, warum wir hier sind, und das reicht.


Wenn du selbst über einen Schritt wie diesen nachdenkst: Besuch das Land vorher, wenn das irgendwie möglich ist. Sprich mit Expats aus verschiedenen Ländern, die dort schon leben. Fang früh an, die Sprache zu lernen, am besten früher als du denkst, dass es nötig wäre. Und sei geduldig mit dir selbst. Was für andere funktioniert, muss nicht für dich passen. Deine Umstände, deine Ziele, dein Tempo.


Mein Mann Wolfgang und ich planen, mehr von Paraguay zu erkunden, vielleicht irgendwann ein nachhaltiges Landwirtschaftsprojekt anzugehen. Was sich noch alles ergibt, wissen wir nicht. Aber genau das finde ich schön.


Ein neues Kapitel aufzuschlagen ist nie zu spät. Das habe ich hier gelernt, und ich glaube es inzwischen wirklich.

Wenn dich das anspricht und du Fragen hast oder einfach reden möchtest, kannst du hier einen Termin mit mir buchen: https://booking.builderall.com/c/hallosonja/terminmitsonja


Wichtiger Hinweis: Die Inhalte auf sonjapedia.com dienen allgemeinen Informations- und Bildungszwecken. Die genannten Themen und Punkte entsprechen meiner ganz persönlichen Meinung und Erfahrung. Den vollständigen Haftungsausschluss findest du hier: https://sonjapedia.com/disclaimer