Neugierig bleiben ab 50: Warum Neugier Dich lebendig hält und wie Du sie im Alltag und im neuen Land wieder weckst, mit Beispielen aus Paraguay.
Wann hast Du zuletzt etwas zum ersten Mal gemacht? Nicht im Urlaub, sondern mitten im Alltag. Wenn Dir die Antwort schwerfällt, bist Du nicht allein. Mit den Jahren richten wir uns ein, und das ist gut so. Doch irgendwann merken wir, dass die Tage sich gleichen wie Perlen an einer Kette. Neugierig bleiben ab 50 ist deshalb kein Hobby für Abenteurer. Neugier hält Dich wach und beweglich, und sie macht Dein Leben lebendig.

Stell Dir ein altes Kolonialhaus in Asunción vor. Hinter einem schmiedeeisernen Gitter steht das Fenster weit offen. Hereinkommen Stimmen von der Straße, der Duft von Chipa, das Licht des Nachmittags. Genau so wirkt Neugier. Solange das Fenster offen ist, strömt Leben herein.
Das Gitter bleibt übrigens. Neugier verlangt nicht, dass Du alle Sicherheiten über Bord wirfst. Sie bittet Dich nur, hinauszuschauen.
Kinder fragen ständig ?Warum??. Erwachsene fragen eher: ?Lohnt sich das?? Dahinter steckt viel Lebenserfahrung. Wir wissen, was uns schmeckt, welche Wege kurz sind und welche Fehler wir nicht noch einmal machen wollen. Das spart Kraft.
Der Preis dafür ist leise. Wer nur noch auswählt, was er schon kennt, schließt das Fenster Stück für Stück, ohne es zu merken. Neugier im Alter verschwindet selten auf einen Schlag, sie verstaubt eher. Und wie bei einem Fenster, das lange zu war, klemmt es beim ersten Öffnen ein wenig.
Die Weggabelung auf dem roten ErdwegAuf dem Land in Paraguay gabeln sich die roten Erdwege oft mitten zwischen grünen Hügeln. Ein Weg führt zum bekannten Dorf, der andere verschwindet hinter einer Kurve. Neugier ist die Bereitschaft, ab und zu den zweiten Weg zu nehmen.
Das muss kein großer Schritt sein. Ein neues Rezept, eine andere Strecke zum Markt, ein Gespräch mit jemandem, den Du sonst nur grüßt. Wer nur bekannte Wege geht, kommt immer am selben Ort an. Wer gelegentlich abbiegt, sammelt Geschichten.
Mein Kohlrabi-Moment in ParaguayNach meinem Umzug nach Paraguay habe ich Kohlrabi vermisst. Er gehört zu den Dingen, über die man in Deutschland kaum nachdenkt, bis sie plötzlich fehlen. Dann bin ich auf eine birnenförmige, hellgrüne Frucht gestoßen. Hier nennen sie viele Chuchú, international heißt sie Chayote, und manche sagen auch Luftkartoffel.
Sie hat sich als leckerer Ersatz entpuppt. Inzwischen schmeckt sie mir roh sogar fast besser als der original Kohlrabi.
Für mich steckt darin eine kleine Lektion. Wäre ich beim Kohlrabi stehen geblieben, hätte ich nur einen Mangel gesehen.
Erst die Neugier auf das Unbekannte hat aus dem Verlust eine Entdeckung gemacht. Neugier ist wie eine unbekannte Frucht am Marktstand: Erst beim Probieren weißt Du, was in ihr steckt.
Das gilt für jeden Neuanfang im Ausland, egal wohin. Du wirst Dinge vermissen. Die Frage ist, ob Du nur nach dem Alten suchst oder auch schaust, was das Neue Dir anbietet.
Neugier lässt sich üben wie ein Muskel, der lange nicht gebraucht wurde. Ein paar Ideen:

Es geht nicht darum, ständig Neues zu jagen. Es geht darum, das Fenster nicht ganz zu schließen.
Neugier ist ein offenes Fenster, durch das Leben hereinkommt. Mit den Jahren schließen wir es oft unbemerkt, weil Gewohnheiten bequem sind. Kleine Abzweigungen im Alltag öffnen es wieder.
Mein Kohlrabi-Ersatz in Paraguay hat mir gezeigt, dass aus etwas Fehlendem eine Entdeckung werden kann, wenn Du bereit bist zu probieren.
Und Du? Was würdest Du gern einmal zum ersten Mal ausprobieren?
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