Beweglich bleiben im Alter braucht kein Fitnessstudio. Ein Experiment für eine Woche mit sieben Alltagsbewegungen, die Du Dir erhalten willst.
builderall

Ich kann vom Boden aufstehen, ohne die Hände zu benutzen oder erst auf die Knie zu gehen, bevor ich hochkomme. Und ich habe vor, das noch sehr lange zu können; deshalb übe ich es. Beweglich bleiben im Alter ist für mich keine Frage großer Sportprogramme, sondern eine Frage kleiner Dinge, die ich mir nicht abnehmen lasse.


Dazu gehören Übungen für mein Gleichgewicht. Und ich kräftige meine Füße, weil sie mich jeden Tag tragen und dafür etwas zurückbekommen sollen. Spektakulär ist nichts davon. Aber jedes Mal, wenn es klappt, weiß ich: Das gehört mir noch.


Wer sich jede Anstrengung abnehmen lässt, gibt ein Stück Freiheit nach dem anderen ab. Der Aufzug hier, die Hand am Geländer dort, jede einzelne Hilfe ist harmlos. Zusammen nehmen sie dem Körper Aufgaben weg, die er eigentlich noch kann. Und was er lange nicht mehr tun muss, fällt ihm mit der Zeit schwerer.


Eine schwere Holztür, die monatelang niemand öffnet, klemmt irgendwann. Kaputt ist sie nicht, sie wurde nur nicht mehr bewegt.


Was eine Tänzerin und eine Spitzenmacherin gemeinsam haben


Beim paraguayischen Flaschentanz tanzen die Tänzerinnen mit Flaschen auf dem Kopf. Manchmal ist es eine einzelne, manchmal ein ganzer Turm. Und sie tanzen damit, drehen sich und gehen auch in die Knie. Wer zuschaut, sieht Anmut und Leichtigkeit. Was man nicht sieht, sind die Jahre davor: die vielen Male, in denen die Flasche gewackelt hat oder heruntergefallen ist, bis der Körper gelernt hat, sie zu halten. Diese Sicherheit entsteht nicht auf der Bühne. Sie entsteht in der Übung.


In Itauguá, nicht weit von Asunción, ist es mit der Ñandutí Spitze ähnlich. Die Fäden werden auf einen Rahmen gespannt und von Hand zu Rosetten verwoben, eine wie die andere, mit gleichmäßigen Strahlen und Blüten, die sich genau gleichen. Diese Regelmäßigkeit kommt nicht vom Talent allein. Sie kommt aus der Hand, die das jeden Tag tut, oft seit Kindertagen, und die es deshalb nicht verlernt.

Beides zeigt mir, worum es auch bei meinem Körper geht. Das Können sitzt nicht irgendwo und wartet. Es bleibt, solange ich es benutze.


Die Spielregeln

Das Experiment dauert sieben Tage. Jeden Tag kommt eine Bewegung dazu, und Du baust sie in etwas ein, das Du sowieso tust. Du brauchst keine Matte, keine App und keine Uhr.

Du zählst nichts und misst nichts. Bemerken reicht völlig.


Wackeln ist erlaubt, Festhalten auch. Stell Dich bei allem, was das Gleichgewicht fordert, in die Nähe einer Wand oder einer stabilen Stuhllehne.


Wenn etwas wehtut, hörst Du auf. Hast Du Schwindel, Gelenkbeschwerden oder andere gesundheitliche Fragen, sprich vorher mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt.


Beweglich bleiben im Alter: Dein Plan für sieben Tage

Tag 1, der Boden. Setz Dich auf den Teppich und steh wieder auf. Schau nur zu, wie Du es machst: Wo stützt Du Dich ab, wie viele Hände brauchst Du? Kein Urteil, nur Hinschauen.

Tag 2, das Waschbecken. Putz Dir die Zähne auf einem Bein, dann auf dem anderen. Das Waschbecken bleibt in Griffweite.

Tag 3, die Füße. Geh zu Hause eine Weile barfuß und spür, wie viel Arbeit Deine Füße leisten, wenn kein Schuh sie stützt. Greif mit den Zehen nach einem Handtuch, das am Boden liegt.

Tag 4, die Treppe. Nimm die Treppe, wo immer es eine gibt, im Büro genauso wie im Einkaufszentrum.

Tag 5, die Schuhe. Zieh Deine Schuhe im Stehen an, mit einer Wand in der Nähe.

Tag 6, das Strecken. Streck Dich morgens, bevor Du aufstehst, so ausgiebig, wie es eine Katze tut, von den Fingerspitzen bis zu den Zehen.

Tag 7, die Wiederholung. Nimm die Bewegung, die Dir in dieser Woche am schwersten fiel, und mach sie noch einmal. Dann schreib einen Satz auf: Was hat Dich überrascht?


Warum gerade im Alltag

Bewegung, die in einem Kalenderfenster wartet, fällt aus, sobald der Tag voll wird. Bewegung, die am Zähneputzen hängt, kommt jeden Tag mit. Hier in Asunción gibt es im Sommer Tage, an denen die Hitze lange Spaziergänge schlicht verbietet. Die Treppe zu Hause und das Bein vor dem Spiegel gehen trotzdem. Das gilt genauso für einen grauen Novembertag in Deutschland, an dem Dich nichts vor die Tür lockt.


Nach sieben Tagen bist Du nicht fitter als vorher, dafür ist eine Woche zu kurz. Aber Du weißt dann, welche Bewegungen Dir noch ganz selbstverständlich gehören.

Und Du kennst die eine, die Du Dir zurückholen willst.


Welche Bewegung hast Du Dir in letzter Zeit abnehmen lassen, ohne es zu merken?


Dieser Beitrag beschreibt meine persönlichen Erfahrungen und Gedanken und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Du gesundheitliche Fragen hast, sprich mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt.


Möchtest Du solche Impulse gesammelt in Deinem Postfach haben? Jeden Sonntag schicke ich Dir die Gedanken der Woche, Denkanstöße zum Mitnehmen, erzählt von einer, die mit Anfang fünfzig neu angefangen hat. Hier kannst Du Dich eintragen: https://sonjapedia.substack.com/

Du willst Deinem Leben eine neue Richtung geben oder planst einen Neustart? Dann sollten wir sprechen. Buch Dir Deinen persönlichen Gesprächstermin unter: https://booking.builderall.com/c/hallosonja/terminmitsonja